Nr. 49, 2.12.2003

[ Wohnen im Energiesparhaus | Der Weg zum Minergie-Haus ]

«Die Migros spielt eine aktive Rolle»

Armin Meier, Mitglied der Generaldirektion, Leiter Departement Logistik und Informatik beim Migros-Genossenschafts-Bund, über die Energiesparanstrengungen der Migros.


Saniert: Das MGB-Hochhaus
am Zürcher Limmatplatz
© Maja Burkhard

«Brückenbauer»: Welchen Stellenwert hat das Energiesparen in der Migros?

Armin Meier: Energie ist in der Migros seit den Siebzigerjahren ein wichtiges Thema; sogar schon vor der damaligen Ölkrise wurden Konzepte für die Verbrauchsreduktionen erarbeitet und umgesetzt. Heute kommt die Klimafrage dazu, welche mit der Energie und unserem Verhalten zusammenhängt. Die Migros will in diesem Bereich eine aktive Rolle spielen und bezeugt dies auch mit ihrer neuen Umwelt- und Sozialpolitik.

Wie spart die Migros Energie?

Die neuen Konzepte für die Ladenlüftung und -heizung mit den Methoden der Abwärmenutzung und Wärmerückgewinnung senken den Energieverbrauch. Wir sind aber auch aktiv bei der Beleuchtung und den vielen kleineren Verbrauchern. In den Filialen hat aber auch die Produktekühlung - der Hauptverbrauch an Elektrizität - in den letzten zehn Jahren grosse Fortschritte gemacht. Gute Anlagenkonzepte und Glasschiebeabdeckungen auf den Kühlmöbeln reduzieren den Verbrauch um bis zur Hälfte. Dieser Effekt wird aber durch ein Mehr an Kühlmöbeln teilweise wieder kompensiert. In der Industrie ist die Nutzung von Prozess-Abwärme bei Neuanlagen seit Jahren Standard.

Das MGB-Hochhaus am Zürcher Limmatplatz wurde nach Minergie-Standard saniert. Was hat diese Sanierung gebracht?

Der Stromverbrauch konnte um rund 75 Prozent reduziert werden. Wir sparen pro Jahr rund 270000 Franken Stromkosten. Auch der Wärmebedarf wurde durch optimierte Lüftungsanlagen reduziert. Wir profitieren hier am Limmatplatz aber von einer Gebäudehülle, welche schon beim Bau Ende der Siebzigerjahre wärmetechnisch gut konzipiert wurde.

Nicht zuletzt sparen wir mit der Sanierung natürlich auch Betriebskosten. Die zwei M - Minergie und Migros - passen gut zusammen!

Nach welchen Standards werden Neubauten gebaut?

Je nachdem, ob es sich um Filialen, Einkaufszentren, Industriebauten oder Verwaltungsbauten handelt, gelten sehr unterschiedliche Anforderungen. Im Filialbereich haben wir soeben den ersten Teil von neuen Richtlinien eingeführt, welche effiziente, gute und bewährte Konzepte beschreiben. In den anderen Bereichen gelten die gesetzlichen Standards. Wir sind aber daran, auch dort die verstärkte Anwendung neuer Standards wie Minergie zu prüfen.

Wo sehen Sie in der Migros noch grosses Energiesparpotenzial?

Obwohl schon sehr viel gemacht wurde, besteht bei der Produktekühlung in den Filialen nach wie vor ein grosses Stromsparpotenzial. Aber auch bei den Lüftungsanlagen sind noch Potenziale vorhanden. Weitere Bauten mit verbesserter Wärmedämmung können zudem auch im Wärmebereich Reduktionen bringen.

Es gibt aber auch Entwicklungen, welche einen Teil der Einsparungen wieder wegschmelzen lassen: Erhöhte Anforderungen an die Frische und längere Ladenöffnungszeiten verursachen in der Regel einen Anstieg des Elektrizitätsverbrauchs für die Kühlung.

Die Migros ist Partner der Energieagentur der Wirtschaft (EnAW) zur freiwilligen Umsetzung der Ziele des CO2-Gesetzes. Was hat diese Partnerschaft bis jetzt gebracht?

Bis jetzt war der Aufwand recht hoch und die Unsicherheiten im politischen Prozess haben unsere Arbeiten nicht leichter gemacht: So wissen wir heute nicht, ob die CO2-Abgabe überhaupt kommt und in welcher Höhe sie ausfallen wird. Dies erschwert unsere Planung und die Investitionsentscheide. Unabhängig vom CO2-Gesetz ist für die Migros aber die Umsetzung von Senkungs- und Optimierungsmassnahmen immer wichtig gewesen, und das soll auch so bleiben. Schliesslich hat das Thema ja auch eine längerfristige Dimension, welche nicht nach 2010, dem Klimazieldatum, halt macht.

Welche Produkte, die die Migros verkauft, helfen den Konsumenten Energie sparen?

Da haben wir eine ganze Menge zu bieten! Unter anderem:

  • Effiziente Kühl- und Tiefkühlschränke: Energieeffizienzklasse A+
  • Effiziente Leuchtmittel (Energiesparlampen): Energieeffizienzklasse A
  • Effiziente Leuchten (Micasa): mit Energieeffizienzklasse A
  • Flachbildschirme (LCD)
  • Effiziente Fernseher und Videorecorder
  • Aquaclick-Durchflussventile für weniger Wasserverbrauch (auch Warmwasser)
  • Tür- und Fensterdichtungen
  • Batterieladegeräte für aufladbare Akkus

Interview René von Euw

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